Hat sich Bertsch Power verrechnet? – V+ –

Die zu lange von den Eigentümern unter Verschluss gehaltenen Jahresabschlüsse 2019 und 2020 des millionenschweren Kraftwerksbauers Bertsch Power GmbH & Co KG haben es nun ins Handelsregister geschafft. .

Konkursverwalter Wilhelm Klagian reichte den Jahresabschluss ordnungsgemäss beim Registergericht Feldkirch ein, wo er zuletzt veröffentlicht wurde.

Auch diese zeigt nun schwarz auf weiß und im Element die dramatische Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage von Bertsch Power zwischen 2019 und 2020, über die wpa bereits in Auszügen berichtet hat.

Diese komplexe Verschlechterung hängt aber nicht primär mit den veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im Jahr 2020 zusammen, sondern wie vermutet vor allem mit der Artwork der Buchführung und Auftragsverbuchung bis Ende 2020 und damit auch mit dem Wechsel des Wirtschaftsprüfers. Denn in den Jahren bis einschließlich 2019 wurde die Firma Affirm Wirtschaftsprüfung GmbH aus Leonding (OÖ) mit der Prüfung des Jahresabschlusses der Bertsch Power beauftragt. Derweil hat die Niederlassung Vorarlberg der HLB Intercontrol Austria GmbH in Feldkirch den Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2020 geprüft.

Und die Wirtschaftsprüfer der HLB Vorarlberg haben im Vergleich zu ihren Vorgängern einige Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden in wichtigen Bereichen auf den Kopf gestellt. Sie beziehen sich auf die geltende Rechtslage gemäß österreichischem Unternehmensgesetzbuch (UGB).

das Vorsorgeprinzip wird nicht berücksichtigt

Der so aufgestellte Jahresabschluss 2020 lautete: „Bis 2019 wurden die geplanten Ergebnisse aus dem Projektgeschäft bereits in der Projektphase realisiert , bedeutet dies in der Regel, dass Umsatzerlöse erst nach vollständiger Vertragserfüllung und Abnahme durch den Kunden realisiert werden können (Gefahrenübergang) Projekte sind als noch nicht im Vorrat erfasste Leistungen in den Herstellungskosten zu erfassen. UGB muss dem Vorsorgeprinzip Rechnung tragen, dass erkennbare Risiken und drohende Verluste zu berücksichtigen sind.’

Die tatsächliche Reichweite ist nicht erkennbar

Und weiter: „In der Vergangenheit wurde der Projektfortschritt bereits vor Fertigstellung ähnlich wie bei IFRS mit der POC-Methode (Share of Completion) bilanziert. Dieses Vorgehen führte dazu, dass Forderungen inklusive Teilgewinne statt Vorräte in den Herstellungskosten aktiviert wurden.“ auch die entsprechenden Kosten wurden nicht ausreichend abgegrenzt ./…/ Bilanzansätze für Projektgeschäfte werden daher ab 2020 nach dem Realisations- und Vorsichtsprinzip des UGB erfasst.“ Denn die frühere Teilgewinnbilanzierung führte auch dazu, dass „venture Störungen wurden zu spät gemeldet.

Negatives Kapital über 42 Millionen Euro

Die Neuausrichtung zog somit die Anpassung der Bilanz- und GuV-Daten für die Jahre 2019 und 2020 nach sich. Die Folge: Der Jahresfehlbetrag verschlechterte sich von minus 4,6 Millionen Euro auf minus 60 Millionen Euro von 2019 auf 2020. Der auf die Anteilseigner entfallende Verlust explodierte von über 99.000 Euro auf über 60 Millionen Euro. In der Bilanz veränderte sich das Eigenkapital von plus 4,7 Millionen Euro auf minus 42,6 Millionen Euro.

Bilanzbetrug?

Eine möglicherweise nicht korrekt nach UGB erstellte Bilanz ist nach Ansicht von Bilanzexperten nicht mit einer vorsätzlichen Bilanzfälschung verbunden. Gerade bei großen Projekten, die über Jahre laufen, gibt es unter Experten immer wieder unterschiedliche Meinungen darüber, wie diese in der Bilanz darzustellen sind. Im Fall von Bertsch Power stellt sich zudem die Frage, ob eine frühere Kenntnis der wahren finanziellen Scenario des Unternehmens dessen weitere Entwicklung wesentlich verändert hätte. Mit dieser sehr komplexen Frage muss sich nun der Insolvenzverwalter auseinandersetzen. Schließlich geht es auch um mögliche Haftungen des ehemaligen Wirtschaftsprüfers und des damaligen Managements von Bertsch Power. Werden die Verpflichtungen tatsächlich erfüllt, wirkt sich dies positiv auf die Gläubigerquote aus.

Allfällige Verbindlichkeiten werden vom Insolvenzverwalter geprüft

Insolvenzverwalter Wilhelm Klagian erklärte gegenüber wpa, dass nach dem erfolgreichen Verkauf des operativen Geschäfts an die insolvente Bertsch Power GmbH & Co KG nun die Bearbeitung dieser Themen beginnt. „Im Laufe des Jahres 2023 werden wir uns mit der massiven Verschlechterung der Bilanzzahlen auseinandersetzen und auch der Frage nachgehen, ob eine Verantwortlichkeit der Verantwortlichen gegeben sein kann.“ (Wirtschaftspresseagentur)

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